
EVC R7 mit 65 kW (88 PS)
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Die tschechische Firma EVC baut Automobile aus der Skoda-Palette auf elektrischen Antrieb um und verkauft diese über ein Händlernetz in verschiedenen Ländern Europas. Die Firma Mitholz-Energie hat eco-way einen auf dem Skoda Roomster basierenden SVC R7 für einen Fahrbericht zur Verfügung gestellt. Und der Kurztest fand unter erschwerten Bedingungen statt.
Orts- und Flurnamen wie Oberäbnit, Cäsperihof, Rätsche, Hübeli oder gar Galge weisen unmissverständlich darauf hin, dass ich mich im Emmental bewege. Und an der Käserei in der Vehfreude bin ich wahrscheinlich auch schon vorbeigefahren, ohne es zu merken. Im Talgrund merkt man keinen grossen Unterschied zur übrigen ländlichen Schweiz. Aber auf den Hügeln des Emmentals hat sich seit den Zeiten von Jeremias Gotthelf eigentlich nur die Strassenoberfläche geändert und die Elektrizität hat Einzug gehalten. Apropos Elektrizität: ich bin mit einem Skoda, Entschuldigung, natürlich mit einem EVC R7 unterwegs.

Aus dem Motor- wird ein Batterieraum.
Das Basis-Modell, der Skoda Roomster, ist eine bekannte Grösse. Der EVC R7 ist das Gleiche Auto, aber mit einem elektrischen Antrieb. Der R7 ist die stärker motorisierte Variante mit 65 kW (88 PS). Es gibt auch noch eine Ausführung mit einem 30 kW-Elektromotor (50 PS).
Nun wollten wir wissen, wie es sich mit dem elektrischen Antrieb fährt und wie seriös die Reichweitenangabe von „150 bis 200 km“ wirklich ist. Da das von der Mitholz-Energie zur Verfügung gestellte Fahrzeug im Emmental stationiert ist, lag das optimale Testgebiet praktisch vor der Haustüre. Hügel an Hügel mit unendlich vielen Steigungen und Gefällen. Nicht unbedingt das, was man einem Elektroantrieb zumuten möchte. Aber da muss er durch, der R7.
Äusserlich ist dem Fahrzeug sein elektrischer Antriebsstrang nicht anzusehen. Erst wenn man die Motorhaube öffnet, sieht man, dass der Verbrennungsmotor einem Batterypack platz gemacht hat und sich zwei grosse Lüfter und einige Black Boxes für die Steuerelektronik im ehemals konventionellen Motorraum befinden. Im Innenraum, speziell bei der Instrumentierung, ist auch alles gleich geblieben, bis auf ein zusätzliches Display, welches den Ladezustand der Batterie anzeigt sowie über den Energiefluss Auskunft gibt. Diese (kleine) Anzeige hat in der Mittelkonsole unter dem Radio ihren Platz gefunden.

Der kleine zusätzliche Display unter dem Radio ist ein hilfreiches Mittel um über Batterie und Energiefluss im Bilde zu sein.
Zu fahren ist der R7 wie ein ganz normales Elektroauto, mit dem Unterschied, dass das Getriebe des Verbrennungsmodells immer noch vorhanden ist und auch genutzt werden kann. Subjektiv stehen die 88 vorhandenen Pferdchen ganz gut im Futter. Einfach weil das maximale Drehmoment schon von Anfang an zur Verfügung steht. Das Getriebe kann man auf ebener Strecke vergessen. Dritter Gang rein und es passt eigentlich immer. Anfangs ist es noch etwas fremd, wenn man an einen Stopp rollt und nicht aufs Kupplungspedal stehen muss. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Im hügeligen Gelände des Emmentals ist das Vorhandensein des Getriebes jedoch von Vorteil. Man schaltet automatisch in einen tieferen Gang, speziell beim Beschleunigen in der Steigung. An einem spastischen Gasfuss sollte man aber nicht leiden, denn Bergauffahrten mit durchgedrücktem Gaspedal ziehen schon ganz schön Energie aus der Batterie. So geht es denn nun stundenlang hügelauf und hügelab. Der Gasfuss wird dabei immer sensibler und beim Fahren im Gefälle kann man tatsächlich beobachten, wie die Rekuperation die Batterie wieder lädt. So ist der Ladestand des Energiespeichers nach einem längeren Gefälle doch wieder 2 Prozent höher, als auf der Anhöhe.
Auf den kleinen Strässchen auf den Hügeln kann man sich schon mal verfahren und landet am Ende der Strasse auf einem der schönen Bauernhöfe und muss wieder wenden. Natürlich wird man dann auch vom Hofhund verbellt, aber wohl weniger weil ich in sein Territorium eingedrungen bin, sondern mehr aus Verunsicherung, warum dieses Auto keinen Lauf von sich gibt und nicht zu riechen ist.
Am späteren Nachmittag steht dann fest, dass man mit einer Batterieladung unter diesen erschwerten Bedingungen rund 160 Kilometer weit kommt. Auf ebener Strecke dürften somit auch 200 km mühelos zu erreichen sein.

Das Cockpit unterscheidet sich nur durch das EVC-Logo im Lenkrad und dem kleinen zusätzlichen Display unter dem Radio.
Damit ist der R7 ein kleiner Lieferwagen mit einem echten Gebrauchswert im täglichen Wirtschaftsleben. Damit kann ein Handwerker seine Kunden besuchen und muss während des Tages nicht zum Nachladen an die Steckdose. Auch bei Kurierdiensten im städtischen Raum dürfte der R7 eine gute Figur machen.
So langsam scheint die Elektromobilität aus den Startlöchern zu kommen und mit praktischen eFahrzeugen können Aufgaben in Angriff genommen werden, welche bis anhin nur von konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren gemeistert werden konnten. Und wie dieser Fahrbericht gezeigt hat, muss die Verwendung in Gegenden mit vielen Steigungen (in der Schweiz nicht ungewöhnlich), nicht mit einer grossen Einbusse bei der Reichweite bezahlt werden.
Technische Daten EVC R7
Elektromotor:
Nennleistung 30 kW
max. Leistung 65 kW
max. Drehmoment 190 N.m.
Spannung 300 V
Aussenmassen:
Länge (mm) 4214
Breite (mm) 1684
Höhe (mm) 1607
Radabstand (mm) 2621
Lichthöhe (mm) 140
Batterien:
LiFeYPo4
Ladezeit (Std) 11aus 230 V 16 A
Ladezeit (Std) 4 aus 400 V 16 A
(bei Bestellung eines Schnelladegerätes)
Ladezyklenzahl 3000
Betriebsdaten:
max. Geschwindigkeit (km/h) 170
Reichweite (km) 150-200
Verbrauch (kWh/100km) 17
Emmisionen CO2 (g/km) 0
Weitere Informationen: mitholz.ch und electromobil.ch
Autor: Kurt Zumbühl, Motor-Fachjournalist, 2-Rad, Technik und nachhaltige Mobilität



















